Über Reviewer

Die letzten beiden Artikel sollten verdeutlicht haben, dass es für die Kunden der Videospielindustrie wichtig ist, dass sie sich von dem Kauf über die Qualität der Software informieren können. Vor der Etablierung des Internets waren die einzige Möglichkeit, solche Reviews zu lesen, die monatlich erscheinenden Magazine. Heute genügt eine einfache Websuchmaschine und man wird mit Informationen überschüttet. Die Spitze des Eisbergs ist da metacritic.com, eine Seite die sich nur damit befasst, die Wertungen zu sammeln und für jedes Spiel eine Art Durchschnittswertung zu generieren. Der Fokus diese Artikels soll aber auf den Personen liegen, die diese Reviews schreiben. In der Zeit der Magazine hatten die Reviewer bis zur Veröffentlichung der nächsten Ausgabe (bzw. einige Tage/Wochen vorher) Zeit, um ihre Artikel fertigzustellen. Erscheint ein Spiel kurz vor der Deadline, kann es für die Person in ziemlichen Zeitdruck geraten. Natürlich muss das Spiel vorher im Idealfall komplett durchgespielt werden. Es soll dann schonmal vorgekommen sein, dass ein 3o Stunden Spiel in zwei oder drei Tagen komplettiert werden muss, um dann am nächsten Tag das Review druckfertig zu haben. Heute gibt es natürlich keine expliziten Deadlines mehr, aber implizit sind diese immer noch vorhanden, und zwar bei jedem Titel. Denn womit verdienen Internetseiten ihr Geld? Mit Werbung, und dafür braucht man Klicks. Die bekommt man nur, wenn man Content hat, den andere nicht haben. Für Reviews bedeutet dass, das diese so früh wie möglich, im Idealfall als erstes, auf der Seite erscheinen müssen.

Also werden die Spiele unter Zeitdruck gespielt. Ich bin zwar selber kein Reviewer, aber ich meine in den letzten Jahre gelegentlich eine ähnliche Erfahrung, in abgeschwächter Form, gemacht zu haben. Dabei war meine Deadline nur das Erscheinungsdatum eines vorbestellten Spiels, und ich wollte ein anderes vorher durchspielen. Die Beobachtung dabei war, dass die Spielerfahrung durch den Zeitdruck beeinträchtigt wird. Das hängt natürlich ein wenig mit der Art der jeweiligen Software zusammen. Ein 5 Stunden Bombast-Ego-Shooter leidet darunter sicherlich nicht so stark wie ein 40 Stunden RPG. Man stelle sich vor ein Filmtester muss den Film mit 1,5facher Geschwindigkeit angucken, oder ein Buch kann nur überflogen werden um es später zu bewerten. Die Erfahrung von Otto Normalspieler ist dabei doch meistens eine andere. Während sich eine Sammelaufgabe, oder ein gelegentliches Fetch-Quest für den unter Zeitdruck spielenden Reviewer nervig erscheinen stört es den normal Spielenden nicht, dem es vielleicht sogar lieber ist, wenn das Spiel dadurch noch etwas länger wird. Er hat ja auch für das Spiel bezahlt, der Reviewer nicht. Ein Beispiel dafür sind die Collect-a-thons der frühen 3D-Ära, wie zum Beispiel Banjo-Kazooie, die sich für die Reviewer mehr nach Arbeit als nach Spiel anfühlen sollen. Die vermeintlich objektive Wertung wird also eben nicht nur durch den persönlichen Geschmack des Spielers beeinflusst sondern auch durch die jeweiligen Umstände, unter denen das Spiel gespielt wird. Noch dazu verhängen bestimmte Hersteller wertungsabhängige Embargos, die die Veröffentlichung von frühen Reviews nur erlauben, wenn diese das Spiel anpreisen. Zusammenfassend sollte man, wenn man auf Tests zurückgreift immer auch das Umfeld berücksichtigen in dem diese verfasst wurden. Die kleine unabhängige Seite ist dann vielleicht ein besserer Anlaufpunkt.

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