Updated: Grafik Implosion

Wie versprochen hier die Fortsetzung des Artikels von letzter Woche. Ich will an dieser Stelle ein Szenario beschreiben, das durchaus auch heute dazu führen kann, dass der Videospielmarkt, zumindest im Konsolensektor einen starken Einbruch erleidet. Schuld daran können sowohl die Entwicklung, die einen Crash ähnlich dem in 1983 verhindert, als auch eine Fokussierung der Hesteller auf die „falschen“ Aspekte eines Spiels sein. Dass sich der Crash nicht auf die selbe Art wiederholen wird, liegt vor allem daran, dass die Qualität der Spiele in den letzten 30 Jahren deutlich angestiegen ist. Dieser Anstieg schwächt sich allerdings in den letzten Jahren immer weiter ab, da der Schwerpunkt, und damit auch der finanziell aufwändigste Teil der Entwicklung, immer weiter in Richtung Grafik verschoben wird. Auf dem Konsolenmarkt hört man immer häufiger Rufe nach der nächsten Generation. Dabei belaufen sich die Entwicklungskosten der Spiele heute schon häufig auf über 100.000.000$. Solche Spiele müssen sich schon mehrere Millionen mal verkaufen, um überhaupt profitabel zu sein. Was passiert wenn das nicht der Fall ist sieht man am Beispiel des ehemals deutschen Studios Factor5. Dieses musste seine erfolgreiche Amerikanisch Sektion schließen, nachdem das frühe PS3-Spiel Lair hinter den projizierten Verkaufszahlen zurückblieb. Wird die nächste Konsolengeneration weiterhin den Schwerpunkt auf die Grafik legen, so steigen die Produktionskosten weiter an. Das führt dazu das sich die Studio auf Bewährtes konzentrieren und Nachfolger um Nachfolger des Nachfolgers produzieren. Zu groß ist dann die Gefahr, dass ein Spiel mit neuen, vielleicht sogar großartigen Ideen, keinen Anklang auf dem Markt findet, sich nicht verkauft und somit möglicherweise das Ende des jeweiligen Entwicklers bedeutet. Dass die jährliche Produktion einer Fortsetzung rentabel sein kann, zeigt sich am Beispiel von Call of Duty. Trotz jährlicher Neuauflage, alternierenden Entwicklungsstudios und stagnierender Qualität (mit Ausnahme der Grafik) steigen die Verkaufszahlen von Jahr zu Jahr weiter an. Wie lange sich dieser Trend fortsetzen wird bleibt abzuwarten. Vermutlich bis ein mal ein Spiel der Reihe erscheint was deutlich hinter den Erwartungen zurück bleibt oder stark fehlerbehaftet ist und gepatched werden muss (ein Thema mit dem ich auch noch einen Beitrag füllen könnte). Dieses wird sich dann vermutlich noch gut verkaufen, das darauf Folgende dann aber nicht mehr (das Matrix-Prinzip). Ein Call of Duty-Flopp hat dann durchaus das Potenzial zum E.T. seiner Zeit zu werden. Man stelle sich vor der Markt bestünde fast nur noch aus wenigen etablierten Franchises. Der User ist es gewohnt das diese für garantierte Qualität stehen. Ein Ausreißer enttäuscht das Vertrauen der Kunden derart dass sie den Controller sprichwörtlich in die Ecke werfen. Der betroffene Entwickler wird sich bei den Investitionen nicht von dem Flop erholen können. Davon abgesehen ist ein E.T.-Äquivalent vielleicht gar nicht nötig, da Otto Normalspieler vielleicht irgendwann doch gerne etwas Abwechslung hätte, die in einem derart dünnen Markt nicht mehr gegeben ist.
Glaubt man einigen aktuellen Gerüchten so sehen die Konsolenhersteller dieses Problem bereits. Währen Sony an seiner Behauptung festhält, die PS3 sei weiterhin für eine Zeit von 10 Jahren konzipiert und Nintendo seine nächste Konsolengeneration bereits vorgestellt hat hört man gleichzeitig, dass einer der Hersteller aus dem Hardwarerennen quasi aussteigen will, indem eine Streaming Lösung ähnlich OnLive angeboten werden soll. Diese setzt natürlich voraus, dass eine entsprechende Infrastruktur auf Seiten des Herstellers besteht. Der User hat der Vorteil, dass er quasi keine neue Hardware braucht. Für den Empfang eines Webstreams eigenen sich bei einer ausreichend schnellen Internetverbindung teilweise sogar schon die Fernseher selber. Ein derartiger Dienst ist aber vermutlich ohne einen monatliche Beitrag der Benutzer nicht zu bezahlen. Kommt es hier allerdings zu falschen Zeit zum Serverausfall, (zum Beispiel beim Launch eines neuen Call of Dutys) so wird sich der Benutzer überlegen, ob er im nächsten Monat noch einmal den Beitrag zahlen will…

Update: Wie sich herausstellt ist die Quelle des oben genannten Gerüchts ein führender Mitarbeiter von Gaikai (auch ein Streaming-Dienst, ähnlich OnLive), der tatsächlich glaubt, dass ein Hersteller seine Konsolenproduktion komplett einstellen wird, ohne Ersatz. Unter diesen Umständen ist der Wahrheitsgehalt einer derartigen Aussage natürlich in Frage zu stellen, da ein schrumpfender Konsolenmarkt für die Streaming-Anbieter von Vorteil sein dürfte.

Update2: Sony hat Gaikai gekauft, da muss man sich doch fragen ob oben genannter Mitarbeiter mehr wusste als von mir angenommen. Das würde jedoch den bisherigen Gerüchten zu Sonys neuer Konsole widersprechen, man vermutet eher, das die Streaming-Technik in die TV-Geräte des japanischen Technologiekonzert integriert werden soll. Eine Client für die PS3 sollte ebenfalls einfach zu realisieren sein.

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2 Antworten to “Updated: Grafik Implosion”

  1. Was für ein BWLer-Thema, Herr Leander!
    Aber: Schon interessant.

    Und: Wenn ich die Zeit hätte, würde ich dir den Text für umme überarbeiten. Lese aber ohnehin schon bis zum Augenbrand. Täglich.

    • Danke.
      Mit Unterhaltungssoftware lässt sich eine Menge Geld verdienen, deshalb ist sie klar auch ein Thema für die Betriebswirte.

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