M’era Luna 2007 (update)

Bericht eines Außenstehenden über ’das Festival der besonderen Art’ oder Was zum Teufel macht ein Typ der aussieht wie ein Alternative-Rocker, eigentlich aber lieber Metal hört auf einem Gothic-Festival?
Ungewaschene, ungeschminkte, mit Bandshirts und kaputten Jeans bekleidete, junge Menschen – so sieht wohl die allgemeine Vorstellung des normalen Festivalgängers aus. All dies trifft für die Mehrheit des Publikums des in Hildesheim stattfindenden M’era Luna – Festivals NICHT zu. Wer hier etwas auf sich hält verbringt zumindest den Morgen damit, sich ausgehfertig zu machen und sich den anderen Gästen von seiner besten Seite zu zeigen; und das trifft nicht unbedingt nur auf die weiblichen Festivalbesucher zu. Der Kreativität sind bei der Kleidung fast keine Grenzen gesetzt, auch wenn die dominante Farbe natürlich Schwarz ist, werden mit Rot oder Neonfarben Akzente gesetzt. Man staunt ein ums andere Mal, was sich die Gäste alles einfallen lassen, um in der ohnehin schon auffälligen Masse nicht unterzugehen. Selbst als jemand der sowohl den Kleidungs- als auch den Lebensstiel der Gothics nicht teilt, bin ich beeindruckt von Einfallsreichtum und Mut den diese bei der Gestaltung ihres äußeren Erscheinungsbildes zeigen.
Doch kommen wir nun zum (meiner Meinung nach zumindest) Wesentlichen eines Festivals: die Musik. Hier muss sich sagen, dass die Masse der Festivalgäste musikalisch in zwei Lager gespalten war, oder es zumindest den Anschein hatte. Eine Hälfte widmete sich eher der elektronischen Musik (EBM, Wave, Industrial) während die die Andere (zu der ich mich natürlich auch zähle) eher Rock- oder Metalbands bevorzugte. Diese Trennung fiel vor allem auf, wenn Bands unterschiedlicher Richtungen nacheinander spielten. Kaum hatte die erste Band die Bühne verlassen, löste sich die Menge schnell auf, und bat so den Anhängern der Folgeband die Möglichkeit sich gute Plätze in den vorderen Reihen zu sichern. Im Folgenden will ich mehr oder weniger kurz meine Eindrücke zu den verschiedenen Bands schildern (jedenfalls soweit ich mich noch erinnern kann).

Samstag:

DOWN BELOW (12:10 – 12.45 Hangar)
Dunkele Rockmusik, relativ kraftvoll. Was auffällt sind die mit blauen, UV-reaktiven Streifen verzierten schwarzen Anzüge der Bandmitglieder. Der Sänger erinnert mich an irgendwas, was genau weiß ich nicht. Auf jeden Fall ein guter Auftakt, obwohl wir eigentlich nur auf Fair To Midland gewartet haben, um gescheite Plätze zu kriegen (erwies sich als völlig unnötig, da mit Ende des Auftritts auch der größte Teil des Publikums den Hangar verließ und wir uns locker vorne an die Absperrung stellen konnten).

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FAIR TO MIDLAND (13:10 – 13:45 Hangar)
Aufmerksam geworden bin ich auf diese Band, weil sie Dir En Grey auf ihrer Tour begleiten. Die Show war auf jeden Fall eine gute Einstimmung auf das, was wir später bei den Japanern sehen würden. Der erste Eindruck schien eher unpassend: zerrissene Jeans, teilweise freier Oberkörper, unrasiert bis seit-Jahren-nicht-rasiert. Da man ja bekanntlich nicht aufs Äußere achten soll, zeigten die Jungs schon beim ersten Lied, wie viel Energie sie noch über hatten. Besonders auffällig war der Sänger, welcher wie besessen über die Bühne zappelte und es wie durch ein Wunder schaffte, nicht über das Microkabel oder seine Bandkollegen zu fallen. Der Keyboarder tippt scheinbar im Rausch und scheinbar völlig wahllos auf irgendwelchen Tasten rum (wie gesagt, scheinbar). Zum Anschluss der genialen Show besteigt der Sänger die Träger der Lichtanlage und stürzt sich runter. Leider fehlt die Interaktion mit dem Publikum völlig, aber ich glaube, das hätte einfach nicht zum Rest der Vorstellung gepasst.

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COVENANT (16:45 – 17:30 Main Stage)
Elektromusik – nicht mein Ding. Haben wir nur gesehen um bei Dir En Grey gescheite Plätze zu haben. Für ein bisschen Entspannung vorher aber nicht schlecht.

DIR EN GREY (18:00 – 19:00 Main Stage)
Der eigentliche Grund auf das Festival zu fahren. Durch frühzeitige Anwesenheit haben wir Plätze in ca. der achten Reihe gekriegt. Im Vorhinein sah man, wie das wohl größte Schlagzeug des ganzen Festivals auf die Bühne geschoben wurde. Zu beginn des Auftritts wird ein meiner Meinung nach recht unpassende Intro gespielt. Als erstes betritt der Drummer die Bühne, dann der Rest, zuletzt der Sänger. Kreischende Mädchen überall. Das erste Lied fängt an (REPETITION OF HATRED glaub ich), anwesende Metaler schütteln – wie immer – wild Köpfe und Haare (ich auch), Mädchen kreischen weiter, Leute, die sich was anderes vorgestellt haben, drängeln sich aus der Masse. So fängt eine perverse aber dennoch gute und faszinierende Show an, deren nähere Beschreibung sicherlich den umfang des Artikels sprengen würde. Allerdings bleibt zu sagen, dass Dir En Grey für mich – wie erwartet – das Highlight der Festivals waren, und ich sie mir bei der nächsten Gelegenheit sicher wieder anschauen werde.

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SCHANDMAUL (19:30 – 20:30 Main Stage)
Ich kannte zwar die Richtung, aber kein einziges Lied. Auf jeden Fall ein guter Auftritt mit Interaktion mit dem Publikum und allem was dazu gehört. Mittelalter-Rock, oder wie man das nennen mag, sollte ich auf jeden Fall auch mal etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen.

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Sonntag:

WARREN SUICIDE (12:10 – 12:40 Main Stage)
Strange Kombination aus Elektrobeats und Gitarren. Sehr bizarre Bühnenshow, die das fesseln eines weißen Gipsesels mit Klebeband beinhaltet, ganz cool.

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KRYPTERIA (13:05 – 13:35 Main Stage)
Naja, eigentlich ist Symphonic Metal nicht so meine Richtung, aber bei Krypteria war ich ja im vorhinein schon nicht abgeneigt. Die Musik ist wesentlich gitarrenlastiger, als bei anderen Vertretern dieses Genres. Auch war der Auftritt, anders als bei Within Temptation zum Beispiel, komplett live. Sollte man sich auf jeden Fall einmal anhören.

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LACRIMAS PROFUNDERE (14:00 – 14:35 Main Stage)
Also ich weiß noch, dass sie Gothic Rock machen, aber dann setzt leider meine Erinnerung ein wenig aus. Vielleicht kann jemand erinnern helfen?

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THE CRÜXSHADOWS (15:00 – 15:45 Main Stage)
Elektrische Musik mit Geigen und Gitarren, leicht bekleidete, tanzende Backgroundsängerinnen und extravagante Frisuren. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Band leicht von Luc Besson’s Das Fünfte Element inspiriert ist, zumindest würden sie ohne Probleme in den Film hinein passen. Der Sänger betritt die Bühne durchs Publikum und klettert in der Lichtanlage herum. Nicht schlecht, aber nicht meine Musik.

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THE 69 EYES (16:15 – 17:00 Main Stage)
Ein weiteres Highlight, inklusive schreiender Mädchen. Besonders in Erinnerung geblieben ist der Drummer, der während des Auftritts Sticks und einen Teil der Schlagzeughardware kaputt schlägt. Ehrlich gesagt ist es ein Wunder, das der Rest heile geblieben ist. Der Sänger berichtet gegen Ende, dass jedes Mal wenn sie auf dem M’era Luna spielen die Sonne scheint. Das letzte Lied ist das einzige, das selbst ich kannte: ‚Lost Boys‘. Nach fünf Stunden in der zweiten bis dritten Reihe vor der Main Stage begeben wir uns zur Erholung zurück zum Zelt und verpassen so leider Welle: Erdball. Schade.

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DEINE LAKAIEN & NEUE PHILHARMONIE FRANKFURT (19:00 – 20:15 Main Stage)
Zum Abschluss gab es noch ein wenig Entspannung mit klassischer Musik. Ich weiß zwar nicht wirklich wie genau Deine Lakaien ohne Orchesterbegleitung klingen, aber was es zu hören gab, war schon nicht schlecht, auch wenn die PA scheinbar nicht wirklich zur Musikrichtung passte und das Ganze mit ein wenig mehr Lautstärke wahrscheinlich besser rübergekommen wäre.

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Abschließend bleibt noch zu sagen, dass der Besuch des M’era Luna Festivals für mich eine höchst interessante Erfahrung war. Was die Musik betrifft könnte ich sogar sagen, dass es mir besser gefallen hat, als das Hurricane letztes Jahr, schon allein weil hier etwas härtere Töne angeschlagen wurden, die mir letztes Jahr etwas gefehlt haben.

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5 Antworten to “M’era Luna 2007 (update)”

  1. Rock on, Leo. ^^

  2. Oh, du hast vor den besten Bands aufgehört ^^ *wart* ^^

  3. Lacrimas Profundere haben was ähnliches wie die 69 Eyes gemacht, gerockt, und da die früher mal Death Metal gemacht haben, hast du dich gefreut wenn der Schlagzeuger mal so richtig abgeknüppelt hat zwischen durch :D *an fliegende Haare erinner* ^^

    War auf jeden Fall ein tolles Festival, und noch toller war, dass du dabei warst ♥

  4. John Murdoch Says:

    Lacrimas…ähnlich wie 69, aber fast genauso wie HIM inclusive die Stimme, nur langweiliger…

  5. Bin mittlerweile aufgeklärt was Lacrimas Profundere angeht. Haben mal Musik mehr Richtung Death Metal gemacht, und es hat mich gefreut zu bemerken, dass der Drummer den Doublebass noch nicht verlernt hat^^

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