Vergangenheitsreanimation

Lange vor Nintendo, Computern, Gitarren und lauter Musik gab es mal eine Zeit, in der ich mich vorwiegend mit einem anderen Hobby beschäftigte, von dem vielleicht die wenigsten der wenigen Leser wissen. Gemeint ist nicht der Sandkasten, Lego oder meine immer noch aufgebaute Modelleisenbahn – nein, gemeint sind Drachen. Wenn ich damals dieses Wort hörte, dachte ich nicht zuerst an Power Metal oder Bücher von Wolle Hohlbein, sondern an von Meschen, Autos, oder sonstigen schweren Gegenständen gehaltene oder gesteuerte ein- bis vierleinige Fluggeräte, deren Ausmaße allerdings teilweise doch denen der gleichnamigen Fabelwesen nahe kamen…

Zu den jährlichen Highlights gehört damals der Besuch des größten internationalen Drachenfliegertreffens auf der dänischen Nordseeinsel Fanø. In Zuge dessen sind auch so einige Eigenbauten entstanden, da der Kauf von Drachen in der Dimension von Kleinwagen ziemlich teuer ist und man bei Bau auch eigene Ideen mit einfließen lassen konnte.

Das alles ist nun allerdings schon Jahre her, und die ‚Einleiner‘, ‚Zweileiner‘, ‚Turbinen‘ und ‚Rotoren‘ liegen immer noch zu duzenden, wenn nicht sogar zu hunderten, herum. Da am Montag recht gutes Wetter war, zusätzlich noch mäßiger Wind wehte und ich sowieso nichts weiter zu tun hatte, machte ich mich mit zweimal 30 Metern Leine und einer ‚Matratze‘ auf den Weg zur nächsten Wiese. Mit Matratze – oder kurz Matte – bezeichnet man Lenkdrachen, die in ihrem Aufbau dem eines Gleitschirms ähneln: durch an der Vorderkante einströmende Luft bildet sich ein Profil aus, das dem von Flugzeugflügeln ähnelt, und so für zusätzlichen Auftrieb sorgt. Größere Matten werden aufgrund der Zugkraft zum Kitesurfen oder -buggy fahren verwendet. Meine Wahl viel allerdings auf diesen Drachentyp, weil er keine Stangen braucht und so extrem robust ist. Da die Gegend hier ja nicht grade für ihre guten Windverhältnisse bekannt ist muss man immer mit ungewollten Abstürzen rechnen, bei denen klassische Stabdrachen Schaden davontragen könnten.

Nach dem ausrollen der Leinen und dem ersten Start erhob sich die kleine (übrigens eine 1,8 Meter breite Rhombus Thunderbird) in die Luft. Da der Wind nur mäßig war konnte man sich zwar nicht ’so richtig‘ in die Leinen hängen, aber für ein paar entspannte Runden reichte es. Zu Abstürzen kam es nur selten, wenn das Segel aufgrund von Luftverwirbelungen kollabierte. Das einzig Störende waren die billigen Gurtschlaufen, die man sich, um besseren Halt zu haben, um das Handgelenk legt. Nächstes Mal nehme ich Bessere, Gepolsterte mit.

Advertisements

4 Antworten to “Vergangenheitsreanimation”

  1. Geiler Artikel Leo, wusste garnet, dass du die ganzen Gerätschaften noch alle daheim hattest, naja sollte auch mal so´ne „Vergangenheitsbewältigung“ machen, angefangen mit einem Playboy-Poster in der Grundschule…

  2. Och nö Pata, du hast soviel aufzulisten, soviel Platz hat dein Blog doch gar nicht :D

  3. Naja, bewältigen würd ich das jetzt nicht nennen. Es ist vielmehr ne Sache, der ich mich wieder mehr widmen sollte. Wenn ich es schaffe meine Eltern zu überreden fahr ich nächstes Jahr wieder nach Fanö (das dänische ö hab ich jetzt mal der Einfachheit halber wegelassen).

  4. Cool ♥

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: